Redetraum

„In der Uni bekam ich feuchte Hände, wenn ich dran kam und der ganze Hörsaal meinen Worten lauschte. Heute werde ich zum Ende einer Verhandlung immer nervöser und peinlich redselig.“

, schilderte mir einmal ein Vertriebler.

Was steckt dahinter?

  • Die Angst zu Versagen
  • Die Angst vor Fehlern
  • Die Angst davor, etwas nicht zu wissen/können
  • Kurzum: Angst

Kennst Du das? Sprichst Du gerne vor Publikum?
Jetzt stell Dir mal vor, Dein Auftritt wird mega. Wie fühlt sich das an? Wie siehst Du als zufriedener Redner aus? Wie ist Deine Körperhaltung, Deine Stimme und Dein Blick? Wie fühlt sich der Applaus an?

Woher kommt diese Angst?

Schlechte Erfahrungen, blockierende innere Glaubenssätze, wie z.B. „Ich muss perfekt sein“, sowie innere Annahmen i.S.v. selbsterfüllenden Prophezeiungen verstärken das Gefühl der Angst. Doch diese Angst ist antrainiert. Kleinkinder und Babies haben kein Problem, alle Aufmerksamkeit ihres Umfelds durch Schreien auf sich zu ziehen. Das ändert sich schnell durch Erziehung und Schule. In unserer fehlerfokussierten Leistungsgesellschaft wird unser Fokus leider viel zu früh auf Fehler gelenkt. Leistungen von SchülerInnen werden auf Fehler hin untersucht und bewertet. Somit lernen wir schnell, dass es besser wäre, fehlerfrei zu sein. Doch wie realitätsfern ist das bitteschön?!?!

Viel realitätsnaher und konstruktiver ist es, sich eine Strategie für evtl. Unannehmlichkeiten im Vornherein zu überlegen. Somit ist man gerüstet und kann prompt und souverän reagieren. Eine alljährliche Umfrage unter meinen Business English-Studierenden zeigt, dass eine kurze Vorbereitungszeit Stressfaktor Nr 1 ist gefolgt von Fragen aus dem Publikum und eine passive/stumme Zuhörerschaft.

Umfrage unter Studierenden, was sie vor/während/nach einer Rede am meisten stresst.

Für diese nicht-veränderbaren Stressoren kann man sich ein starkes Mindset aufbauen, um cool und gelassen ans Mikrofon zu schreiten.

In einem Workshop hatte ich mal eine Teilnehmerin, die eine Faschingsrede halten wollte/musste, und mir mitteilte, wie sie sich jetzt schon ausmalte, wie sie zittern werde, ihre Hände feucht werden, sie nach Worten sucht und weiche Knie bekommt.
Innerlich dachte ich mir: Genau so wird es werden! Doch glücklicherweise war sie offen für eine neue Denkweise.


Erfahrungen müssen sich nicht wiederholen, es sei denn, du gehst davon aus.

Kurzum

Statt Dich mental in Horrorszenarien zu verlieren, probier doch mal, Dein Best-Case-Szenario so detailreich wie möglich auszuschmücken: höre Deine Stimme und wie Du durch ihren flexiblen Einsatz die Aufmerksamkeit Deiner Zuhörer aufrecht erhältst; beobachte Deine Körperhaltung, die wirkungsvoll Deine Thesen unterstreicht; Deine Gestik und Mimik… Stell Dir vor, es kommt eine Frage auf und während Du die Frage aufmerksam anhörst, lächelst Du entspannt und atmest ein paar Mal tief in Deinen Bauch. Spüre, wie entspannend Lächeln und Bauchatmung wirken.
Wenn es Dir hilft, plane auch Deine Antwort auf Blackouts, Technikfails etc.